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Arbeitstagung "Soziale Dienste und die Familienaufstellung"
mit Bert Hellinger

11. - 13. Oktober 2002 in Mainz

Netzwerk für Systemische Soziale Arbeit gegründet.
Ein kurzer persönlicher Eindruck über die Tagung (von Joel Weser)

Die Einladung der Tagung "Soziale Dienste und die Familienaufstellung" richtete sich vor allem an SozialarbeiterInnen , PädagogenInnen, ErzieherInnen und verwande Berufsgruppen im weiten Feld der sozialen Arbeit. Dies war die erste ihrer Art und gab der Tagung mit über 600 Teilnehmern eine besondere Atmosphäre. Dass diese Menschen in einer besonderen täglichen Herausforderung stehen, verdeutlichte sich an dem großen Bedarf nach Austausch und der Offenheit mit der sie dem Gezeigten und den Inhalten begegneten.

Ihre tägliche Erfahrung ist gekennzeichnet von Aspekte wie Mitleiden, sich kümmern, sich in dem, was man täglich tut, zu verlieren und zu schwächen, sich zwischen den Bedingungen der konkreten Arbeit mit den Menschen und den Anforderungen und Vorgaben, welche z.B. vom Träger oder von Amtsseite an sie herangetragen werden, als regelrecht eingeklemmt zu erfahren.

In den vielen Gesprächen die ich mit Teilnehmern führte, begegnete ich vor allem großes Interesse und immer wieder Erleichterung darüber, dass sich hier für sie eine Herangehensweise eröffnet, welche durch ihre besondere Haltung und Sichtweise lange schon Festgefahrenes und scheinbar Aussichtloses in Bewegung bringt.

In der gemeinsamen Sammlung von Wünschen an das Netzwerk, das sich am dritten Tag der Tagung gründete, und den vielfältigen Angeboten, sich selbst darin einzubringen, war Aufbruchstimmung zu spüren, hier etwas Neues mit auf den Weg zu bringen.

Zur Organisation der Tagung

Unter der Federführung von Michael Knorr und der Unterstützung seiner Frau Tanja bereitete die Regionalgruppe Rheinland-Pfalz "Familien-und Organisationsaufstellung" diese Tagung vor. Achtzehn Referenten aus den sozialen Bereichen der Einzelfallhilfe, Frauenarbeit, Behindertenarbeit, Trennung und begleiteter Umgang, stationärer Fremdunterbringung sowie dem Jugendamt und der Erziehungsberatungsstelle stellten ihre Arbeit und Projekte vor, und wie sie mit der Haltung der phänomenologischen Einsichten der Familienaufstellung dem Klientel begegnen.

Der erste Tag der Tagung

Am ersten Tag kamen über die Familienaufstellungen, die Bert Hellinger durchführte, die verschiedensten sozialen Arbeitsfelder in den Blick. Die Arbeit mit einer Jugendlichen aus einem Kinderheim zum Beispiel zeigte, wie groß die Sehnsucht dieser Kinder nach den Eltern ist und welch große Arbeit es von ihnen verlangt, die Eltern so zu nehmen, wie sie sind. Bert Hellinger ging hier immer wieder auf die Haltung des "anderen Helfens" ein. Die Interaktion zwischen Helfer und Klient sei mit der Eltern-Kind Dynamik zu vergleichen.

In der wechselseitigen Resonanz des hilflosen Klienten und des Helfen wollenden Profis sind beide schwach und es gibt keine Lösungen. Dies verdeutlichte Bert Hellinger in einer weiteren Aufstellung, in der eine Sozialarbeiterin spontan die Hände helfend der Klientin entgegenstreckte. Bert Hellinger ermutigte die Teilnehmer den Blick auf das Erwachsene beim Klienten zu richten und seine Bereitschaft zum Tun zu prüfen; Opfer (der Kindheit) brauchen nichts zu tun - und das ist schließlich viel bequemer, als sich dem Leben zu stellen; wer hier voreilig hilft, muss immer wieder die Erfahrung machen, dass es nicht das Richtige war.

Der zweite Tag der Tagung

Am zweiten Tag ging es bei der Aufstellungsarbeit schwerpunktmäßig um die unterschiedlichen Bedingungen in den Institutionen und die ihnen innewohnenden Dynamiken. Die Aufstellungen zeigten, wie lösend es z.B. ist, die Arbeit des Vorgängers und die längere Zugehörigkeit der Mitarbeiter zu achten. Die klaren und präzise auf die Situation der Sozialen Arbeit bezogenen Ausführungen, die Bert Hellinger zu den wichtigen Aspekten der systemisch phänomenologischen Vorgehensweise machte, trafen genau die typischen vertrauten Problemlagen der sozialen Einrichtungen. Besonders erfrischend war seine kurze und prägnante Art, mit den Supervisanten zu arbeiten.

Im Gespräch mit Bert Hellinger war zu erfahren, dass er noch im Jahre 2002 ein Video von diesem Tag als "Kurzsupervisonen in sozialen und pädagodischen Einrichtungen" veröffentlichen wird (wird auf dieser Homepage rechtzeitig angekündigt)..

Schwerpunkte bei Bert Hellingers Ausführungen
Ein kurzer Bericht reicht nicht aus, um auf alle Aspekte der Arbeit von Bert Hellinger auf der Tagung im Mainz einzugehen. Als einige Schwerpunkte können etwa herausgehoben werden:

  • Einfühlen statt Mitleiden
  • Unterscheidung von Persönlichem und Systemischen
  • Über die Zustimmung zum Schicksal

Zum Vortrag von Gerhard Walper
Gerhard Walper schilderte in einem Vortrag vor dem Plenum Erfahrungen aus seiner mehrjährigen Aufstellungsarbeit mit Mitarbeitern aus Wohngruppen, aus der Jugend -und Familienhilfe, aus Heimen und mit Pflege- und Adoptiveltern. Einige Aspekte waren:

  • Die Gewissensnot von weggegebenen Kindern, die aus ihrer Loyalität ihren Eltern gegenüber erwächst.
  • Wie Kinder in ihrem Herzen mit Ausgeklammerten verbunden sind und aus dem daraus entstehenden Konflikt dann aus der Familie ausgestoßen werden.
  • Welche Hilfestellungen Helfer aus dem Kennenlernen des Familienstellen erwachsen können, wie z.B. der Blick auf Verborgenes.

Der dritte Tag der Tagung

Der dritte Tag brachte vormittags wieder Aufstellungen zu den verschiedensten Arbeitsfeldern, so zur Paarberatung, der Einzelberatung, wie zur Arbeit mit Symptomen. Im weiteren erklärte er die "andere Familienaufstellung" als eine Erweiterung der bisherigen , "klassischen" Aufstellungsarbeit, die dieser damit nicht widerspricht, sondern sie vielmehr miteinschließt. Über die größere Zurückhaltung des Aufstellers öffnet sich dabei ein Raum, in dem sich die Lösung über die Bewegungen der Seele - bei nur sehr geringfügigem Eingreifen - häufig wie von selbst entwickelt.

Dabei verdeutlichte Bert Hellinger, dass es meistens - in welcher Form auch immer - um Leben und Tod gehe und es deshalb auch unverantwortlich sei, etwa aus purer Neugierde eine Aufstellung zu machen. So etwas störe das "Feld der Seele".

Die Gründung des Netzwerkes

Am Ende der Arbeitstagung ging es darum, einer früheren Anregung Bert Hellingers folgend, das"Netzwerk für Systemische Soziale Arbeit" zu gründen. Um es mit Leben zu füllen wurden dazu von den engagierten Teilnehmern (in Kleingruppenarbeit) zwei Fragen beantwortet:

  • Was wünschst du dir von diesem Netzwerk?
  • Was bist du bereit dafür zu tun?

Das Ergebnis war beeindruckend, vor allem die große Bereitschaft sich mit den unterschiedlichsten Angeboten einzubringen. Hier nur einige Beispiele für was das Netzwerk stehen könnte:

  • Rückenstärkung für die, die mit der Familienaufstellung in der sozialen Arbeit arbeiten,
  • Weiterbildung für die Umsetzung der Familienaufstellung auf den praktischen Arbeitsalltag der sozialen und pädagogischen Praxis,
  • Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten, Magister- und Diplomarbeiten über die Erfahrung und der praktischen Umsetzung des phänomenologischen Ansatzes in den Arbeitsalltag der sozialen Einrichtungen,
  • Koordination von Arbeitskreisen in den Regionen,
  • Schaffung von Hospitations- und Praktikumsplätzen in Institutionen, in denen mit dem phänomenologischen Ansatz gearbeitet wird.

Alle Namen und Anschriften von Personen und Institutionen,die dazu etwas anbieten wollen, können sich bei Michael Knorr (ISSA) melden.

Zur ISSA

Michael Knorr hat das "Institut für Systemische Soziale Arbeit" (ISSA) gegründet. Dieses Institut selbst ist nicht das Netzwerk; es möchte vielmehr Unterstützung bei der Konstituierung des Netzwerkes anbieten und einen Beginn setzen mit Angeboten für Menschen in sozialen und pädagogischen Berufen.

Das neu gegründete Netzwerk wird nicht auf Deutschland beschränkt bleiben, erste Verbindungen zum Ausland sind schon hergestellt; langfristig sollte sich jedoch in diesen Ländern ein eigenes Netzwerk bilden


 
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