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Medienecho Das Wesentliche braucht keine Distanz Offener Brief von Dr. Albrecht Mahr Da sitzt das kalte Herz! Ich stelle meine Familie - in mein Herz Leserbriefe an den Spiegel Die
Meinungsmacher |
Vom Wesentlichen braucht man sich nicht zu distanzieren (Dieser Artikel ersetzt eine kurzzeitig veröffentlichte Version, deren Inhalt nicht vollständig im Sinne Michaela Kadens war. Wir bitten um Entschuldigung.) Die Berichterstattung in einigen Medien zu Bert Hellinger und der Arbeit mit Familienaufstellungen veranlasste mich zu einer Stellungnahme. Ich bin Psychologin und ausgebildete systemische Therapeutin. Bert Hellinger und seine Arbeit lernte ich 1994 in einem Seminar kennen. Seit 8 Jahren wende ich das Familienstellen in der Gruppen- und Einzelpraxis erfolgreich an und bilde seit 1998 andere Therapeuten in dieser Arbeit sowohl in Deutschland als auch international aus. Auf diesem Weg des Lernens haben sich nicht nur meine therapeutischen
Fähigkeiten erweitert, sondern vor allem auch die Sicht auf Geschehnisse
und Verstrickungen in Familien in Verbindung mit den geschichtlichen Ereignissen
eines Landes oder einer Kultur. Für meine Arbeit ist vor allem das Erkennen der Wirkungsweisen des
Das kann jeder erfahren, der sich ohne Vorurteile dieser Arbeit stellt und auf kundige Weise begleitet wird. Die grundlegenden Einsichten Hellingers zur den "Bindungen des Gewissens" werden jedoch von fast allen Berichterstattern in Presse und TV, und manchmal auch von Anwendern des Familienstellens, nicht nachvollzogen. Das Phänomen "Aufstellung" ist oft so brisant und erstaunlich, dass die Essenz der tiefer liegenden theoretischen Erkenntnisse vernachlässigt wird und Verwirrung statt Sinnstiftung die Folge ist. So wie viele Berichterstatter in Zeitungen und Fernsehen, wünsche auch ich mir aufgeklärte, selbstständige, und handlungsfähige Mitmenschen, die in der Lage sind, Realität klar zu sehen. Dem sollte eine wachsame, öffentlich Berichterstattung und Aufklärung durch die Medien dienen. Eine Tendenz in den Medien zielt jedoch mittlerweile auf die Forderung, sich von der Arbeit mit Familienaufstellungen insgesamt und von Bert Hellinger als Person zu distanzieren. Diese Aufforderung, und die damit einhergehende Abwehr ist eine nachvollziehbare persönliche und gesellschaftliche Reaktion auf konfrontierende Ereignisse und Sichtweisen, die den bisherigen Konsens infrage stellen. In der gegenwärtigen Form jedoch werden Abwertung und Verurteilung zum Ausdruck einer Meinung, die sich darin erschöpft, sich anderen gegenüber "besser" oder "richtiger" zu fühlen. Das wird meist in aller Unschuld vorgetragen und mit "gutem Gewissen" gegenüber der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt. Die Geschichte, insbesondere in Deutschland, bietet dafür reichliche Beispiele. Wenn eine Berichterstattung auf gesellschaftlichen Druck zur Distanzierung hinwirkt - sollte es dann nicht die Aufgabe der wirklich Fragenden, im klassischen Sinn "Aufklärenden" sein, das Neue und Konfrontierende zu erkunden, zu verstehen und in seiner Bedeutung sichtbar zu machen? Diese Frage richtet sich an diejenigen, die in den Medien die redaktionellen Vorgaben formulieren genauso, wie an diejenigen, die mit Aufstellungen praktisch arbeiten. In den Jahren 2001 - 2003 habe ich an Weshalb sollte ich mich von einer Person und einer Methode distanzieren, die mir dazu verholfen haben, als Deutsche, mit jüdischen Mitmenschen in Israel zu arbeiten? Weshalb sollte ich mich von einer Person und einer Methode distanzieren, die einen Weg zur Versöhnung unserer tiefsten persönlichen und geschichtlichen Wunden erkundet? Bert Hellinger ist ein Lehrer, der diese Wege beschreitet, auch wenn sie unserem Verstand, der die Unterschiede setzt, ungewöhnlich erscheinen. Erst wenn Menschen jenseits von ihren Absichten und Vorstellungen in der Tiefe ihrer Seele berührt werden, wenn daraus miteinander eine andere Sicht möglich wird, öffnet sich ein Weg, der Opfer und Täter als Menschen anerkennt. Dann - und erst dann - beginnt eine tiefe Trauer auf beiden Seiten, eine Trauer die verbindet und daher versöhnt. Wäre es nicht wert, Hellingers Einsichten und Arbeiten zum Thema Opfer und Täter ernst zu nehmen, sie zu bedenken und in der Realität zu prüfen, statt sich über eine pauschale Distanzierung auf die vermeintlich sichere Seite zu schlagen? Abstand zu schaffen ist manchmal wichtig und angebracht - dann, wenn Neues und im Moment Verwirrendes uns zu sehr in den Bann nimmt. Auch dann, wenn wir spüren, dass jeder seine eigene Form finden muss, dem Neuen und Herausfordernden Ausdruck zu geben. Diese Art von Distanz ist ein Ausdruck von Respekt, da sie im Dienste des Fragens, des Verständnisses und des Weitertragens steht. Die Suche nach angemessener Distanz wird jedoch niemals vernichtende oder ausgrenzende Formen annehmen. Sondern sie ist ruhig, im Einklang mit unserer Seele, mit den eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten - und daher kraftvoll. Dann setzt sich das Wesentliche durch - in uns und in der Art, wie wir es weitergeben. Die Erkenntnis des Wesentlichen gelingt unabhängig davon, welchen Weg Bert Hellinger persönlich wählt und unabhängig davon, welche Meinung in den Medien gerade vorherrscht. Damit würde auch die aufgeregte Faszination schwinden, die sich wiederholt lediglich mit der Frage beschäftigt, ob Hellingers Arbeit und seine Erkenntnisse nun als richtig oder falsch, hilfreich oder gefährdend zu bewerten sind. An diese Stelle kann ein respektvolles und klares Schauen treten, das selbstständig und verantwortungsvoll anhand der täglichen Realität in der Arbeit mit Klienten prüft, was dem Fortschritt dient und welche Form zu wählen ist, ihm Raum zu geben. Auf diese Weise lernen wir. Vielleicht sind Hellingers Gedanken und Handlungen zu kühn und zu provokativ, um in unserem öffentlichen Bewusstsein vollständig angenommen zu sein. Zumindest jedoch können sie uns zeigen, wie wir anerkennen, statt auszuschließen: persönlich, in unseren Familien, in unserer Arbeit und in unserer Geschichte. Für alle Inspiration und Ermutigung auf diesem Weg bin ich Bert Hellinger aus tiefstem Herzen dankbar. Informationen zur Autorin Literaturhinweise
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