| Das Virtuelle Institut | Bert Hellinger | Zum 75. Geburtstag | |||
|
Bert Hellinger zum 80. Geburtstag Bert Hellinger zum 75. Geburtstag Jakob Schneider Gabriele ten Hövel |
Interview
von Gerhard Walper von Gerhard Walper Katastrophen auf Bayerns Straßen. Schnee, Sturm, Eis und Regen fegen in Windgeschwindigkeiten weit über 100 über Südbayern und legen das Straßenverkehrsnetz lahm. Es ist gerade so, als würden sich alle Naturgewalten ein Stelldichein geben, um hier mit den versammelten Personen aus aller Welt einem Jubilar der besonderen Art zu gratulieren. Bert Hellinger feiert heute seinen 80. Geburtstag. Als Gratulanten stellen sich das berühmte Stadler-Quintett und der hoffnungsvolle Nachwuchschellist Wolfgang Zamerstil ein. Ein Filmteam ist bereit, diesen denkwürdigen Tag festzuhalten. Es ist, als sei ein Knopf gedrückt. 10 Minuten pünktlich vor Beginn des Feuerwerks halten alle Naturgewalten ihren Atem an und es ist absolut still. Ein 25-minütiges Feuerwerk von keinen geringeren Künstlern, als jene, welche für die Stadt München das Silvesterfeuerwerk ausrichten, lassen hier über den Chiemsee eine Farbenorgie regnen, welches den Zusehern ein „Oooh“ und „Aaah“ entlockt. Ein Gemurmel aus den verschiedensten Sprachen erfüllt die Nacht. Das Familienstellen hat sich wie ein Lauffeuer von Deutschland und Europa ausgehend nach China, Japan, Russland, Mongolei über ganz Europa, Afrika, Süd- und Nordamerika ausgebreitet. Ca. 8000 Aufsteller soll es weltweit geben. G.W.: Herr Hellinger, wie ist es überhaupt möglich, dass sich diese Methode des Familienaufstellens, wie Sie es bezeichnen, sich in dieser Geschwindigkeit verbreiten konnte? B.H.: Ich denke die Menschen haben schon sehr lange auf etwas gewartet, was Ihnen in der Familie, im Beruf und in allen schwierigen Lebenssituationen hilft. G.W.: Wie unterscheidet sich das Familienstellen zu anderen Methoden? B.H.: Das Familienstellen sucht nicht nach einem Problem und nach einem Verursacher, sondern nach einer Lösung aus dem Problem. Das ist für die meisten Menschen sehr hilfreich und wünschenswert. Für eine gute Lösung ist es nicht nötig, den Verursacher zu deformieren und schlecht zu machen, das hat auch keine gute Wirkung in der Seele. G.W.: Wie haben Sie diese Methode gefunden? B.H.: Vor ca. 25 Jahren war ich zu einem Kongress eingeladen, welcher für Psychotherapeuten ausgerichtet war. In einer Demonstration wurde ich als Repräsentant gewählt. Plötzlich hatte ich sonderbare Gefühle in meinem Körper, welche ich mir nicht erklären konnte, weil sie nichts mit mir und meinen Gefühlen zu tun hatten. Ich habe meine Position ein klein wenig verändert, weil ich nicht mehr in diese Richtung sehen wollte, welche mir unangenehme Gefühle bescherte. Und in dieser neuen Position erreichten mich wieder völlig mir unbekannte Eindrücke und Gefühle. Meine Fragen konnten von dieser Person, welche die Demonstration leitete, weder erklärt noch beantwortet werden. G.W.: War somit das Familienstellen geboren? B.H.: Nein, das war ein langer Weg. Ich habe mich ein Jahrzehnt lang diesem Phänomen ausgesetzt, und in meinen damaligen Kursen, welche ich angeboten habe, immer wieder nach Erklärungen dieser Wirkungsweise gesucht. G.W.: Und so hat das Familienaufstellen begonnen? B.H.: Nein, noch lange nicht. Weitere 7 Jahre habe ich mich den Funktionen und der Wirkweise des Gewissens ausgesetzt. G.W.: Was hat das Gewissen mit dem Familienaufstellen zu tun? B.H.: Das Gewissen in uns drängt uns, Dinge zu tun, wobei wir uns gut finden, gut und wohl dabei fühlen, jedoch die Wirkung, die es auf andere Personen oft hat, ist alles andere als gut. Und somit kann man sehen, dass das Gewissen gewissen Vorgaben unterliegt und wir diesen Zwängen aus diesen Vorgaben ausgeliefert sind. Seine Auswirkungen, das sind die Grundlagen, worauf das Familienstellen beruht. G.W.: Worauf beruht das Familienstellen im einzelnen, Herr Hellinger? B.H.: Durch das jahrelange Beobachten habe ich festgestellt, dass der Mensch gewissen Ordnungen unterliegt und ich bezeichne sie als die Ordnungen der Liebe. Heute würde ich sie als die Gesetzte des Lebens bezeichnen, welchen sich kein Mensch entziehen kann und sie ihre Wirkungsweise entfalten, ob wir sie kennen oder nicht. Jedoch wenn wir diese Ordnungen der Liebe und diese Gesetze kennen, können wir uns aus gewissen Lebenssituationen besser befreien, sie besser bewältigen und das Leben wird dadurch einfacher. G.W.: Gibt es eine Lebensformel? B.H.: Nein, so einfach kann man das nicht abtun, es ist eine Haltung, eine ganz bestimmte Haltung, die dafür erforderlich ist und es ist das Wissen und die Kenntnis um diese Mächte, die wirken im Geheimen und uns öffentlich dazu zwingen, Dinge zu tun, die wir oft nicht tun wollen und Dinge zu unterlassen, die wir gerne tun würden. G.W.: Wenn ich das so höre, so scheint mir, dass der Mensch nicht frei sei. B.H.: Nach meinen Einsichten und Erkenntnissen ist der Mensch nicht frei, denn es sind Dinge vorgegeben, die wir nicht ändern können, auch wenn wir sie gerne ändern möchten. Z.B. unsere Eltern. Sie sind die einzigen Eltern und die einzig möglichen Eltern, die wir haben und nur durch diese Eltern sind wir hier in dieser Welt, in der wir uns vorfinden und diese Gegebenheit können wir nicht austauschen, nicht ändern und auch nicht negieren. G.W.: Wenn wir unsere Eltern anerkennen, kann sich dadurch schon eine Veränderung einstellen? B.H.: Ob das genügt, bezweifle ich. Jedoch die Methode und die Anwendungsweise und die Wirkweise, die sich aus dem Familienstellen ergeben, ist schlicht auf einen Nenner zu bringen und der heißt, ich erkenne an, was nicht mehr zu ändern ist. Ich stimme dem zu, was geschehen ist. Ich beurteile und bewerte es nicht. Ich sage ja zu dem, so wie es war und was sich daraus ergeben hat. Denn aus diesen Gründen bin ich zu dem geworden, was ich heute bin. Dadurch kann ich finden, was mir einen neuen Weg zu einer Lösung und zu meiner Kraft weist. G.W.: Das klingt ganz einfach. B.H.: In gewisser Weise ist es das auch. Die meisten Menschen verbrauchen ihre Kraft, um nach hinten zu schauen, um das war, aufrecht zu erhalten und dadurch steht ihnen dir Kraft nicht mehr zur Verfügung, um das Leben im Jetzt zu meistern und nach vorne zu schauen. G.W.: Sie sagen, alle Eltern sind gut. B.H.: Sage ich, ich sage aber auch und alle Kinder sind gut und die Eltern auch. Denn alle Kinder, die sich auffällig und in irgend einer Form unangenehm verhalten, sind im Dienst der Familie und zwar sie schauen mit blinder Liebe auf eine oder mehrere Personen, welche vom Familiensystem ausgeschlossen und verachtet sind. G.W.: Wie ist es dann mit den Eltern? Sie sind doch nicht alle gut. B.H.: Stimmt, wenn wir uns danach richten, was manche Eltern tun oder lassen müssten, dann kann man sie nicht in dem Sinn als gut bezeichnen, doch diese Eltern waren auch Kinder und auch sie haben mit blinder Liebe auf jemanden geschaut. Und wenn man bei den Kindern diese Person findet, auf welche sie schauen und ausgeschlossen waren, welche nicht zu dem System gehören dürfen, dann wird plötzlich aus einem Zappelphilipp oder einem aggressiven Kind ein Kind, das sich ernst genommen fühlt und wieder aus diesem Familiendienst heraustreten kann und zur Ruhe kommt. G.W.: Das hört sich sehr einfach an. B.H.: Ja, es stimmt, in gewisser Weise ist es auch so, wenn man um diese Gesetzmäßigkeiten weiß, sie beachtet, dann wird eine Person, die ich als verstrickt bezeichne, frei und kann dann endlich ihr eigenes Leben leben und ist nicht ständig fremd bestimmt. G.W.: Man nennt Sie auch einen Mittler oder Verbinder zweier Welten. B.H.: Ja, dem kann ich zustimmen. Denn wir sehen, dass die Toten eine wesentlichere Rolle spielen, als wir bisher annahmen. Sie sind zwar tot, aber nicht weg. Alles was einmal war, ist noch hier. Nichts ist weg und in dieser Achtung und Anerkennung hat es eine gute Wirkung auf die Toten und die Lebenden. G.H.: Herr Helllinger, Sie haben sich in viele Gebiete vorgewagt als Friedensstifter werden Sie in verschiedenen Ländern bezeichnet. B.H.: Ja das stimmt, weil ich den Opfern und den Tätern beiden einen Platz als Menschen gebe. Meine Liebe gilt allen Menschen, ihnen und der ganzen Schöpfung. G.W.: Man sagt, Sie seien immer noch Priester? B.H.: Ja als dieser fühle ich mich auch. G.W.: Sie waren Priester und Missionar in Afrika und haben sich dann der Psychoszene zugewendet. Sie haben Psychologie, Psychoanalyse studiert, waren dann kassenärztlich zugelassen als Psychotherapeut. Man wirft Ihnen vor, dass Sie öffentlich vor hunderten oder tausenden Personen das Schicksal zur Schau stellen. B.H.: Ja das tue ich, denn diese Arbeit, die ich mache, wirkt nicht beim Einzelnen allein. Sie ist zu groß, um sie in einem stillen Kämmerlein zu halten. Jeder Zuseher profitiert genau so. Hier geht es nicht um Zurschaustellen. Die Person, die ihr Problem vorbringt, hat nicht dieses Gefühl, denn das Resonanzfeld der Zuseher wird benötigt, um schwere Schicksale zu lösen und somit sind beide Seiten berührt und in einem Feld der Lösung und Heilung aufgehoben. G.W.: Ist das so einfach? B.H.: Ja, es ist ganz einfach, wenn Sie sich auf etwas Neues einlassen, dann können Sie auch etwas Neues bekommen. Wenn Sie jedoch beim Alten festhalten wollen, dann ist es umsonst und in diesem Sinne ist die Arbeit, wie ich sie tue und wie sie auch viele andere praktizieren, ein Segen für viele Familien, für viele Kinder, für viele Berufe und welche nicht länger Opfer bleiben wollen, sondern Eigenverantwortung übernehmen und kraftvoll ins Leben treten wollen. G.W.: Wie erklärt es sich, dass Zuseher behaupten, allein durch das Zusehen hätte sich ihr Leben verändert? B.H.: Ja, wenn Sie mit den Studien von Rupert Sheldrake vertraut sind, dann kennen Sie auch die Wirkweise der Feldtheorie und früher hat man ja das Feld als Seele bezeichnet, nur bei der Wissenschaft ist das nicht gut angekommen und so hat Rupert Sheldrake es umgewandelt in „Feld“. D.h. es gibt eine gemeinsame Seele und in diesen gemeinsamen Feldern, in dieser gemeinsamen Seele ist alles aufgehoben, was jemals war und was ist und aus diesem Feld kann man Dinge abrufen und sie wieder in die Gegenwart bringen, was mal irgendwann geschehen ist und das hat eine gute Wirkung im Hier und im Jetzt. G.W.: Um diese Aussagen zu erfassen, reicht nach meinem Verständnis natürlich nicht aus, sich einmal in ein Seminar bei Ihnen zu setzen? B.H.: Nein ganz sicherlich nicht, es ist ein Lebensweg. Ich habe mich ihm seit Jahrzehnten verschrieben und aus diesen Aufstellungen resultieren meine Erkenntnisse und Einsichten, welche ich auch in den Büchern zum Besten gebe. G.W.: Wieviel Bücher haben Sie bis jetzt geschrieben? B.H.: 40. G.W.: Und in wie vielen Sprachen sind diese übersetzt? B.H.: In 19 Sprachen. G.W.: Schreiben Sie Tag und Nacht? B.H.: Nein nicht, ich setz mich einfach hin und es schreibt. Nachher staune ich oft selbst und muss das leben, was ich geschrieben hab, was oft auch für mich nicht ganz einfach ist. G.W.: Ihr letztes Buch „Ein langer Weg“ hat mich sehr gefesselt und fasziniert. B.H.: Ja, hier gebe ich Einblicke in mein Leben. Aber es ist nicht mein letztes, es ist mein vorletztes Buch. Das letzte ist „Dankbar und gelassen“ im Kösel-Verlag und das neueste ist „Liebesgeschichten“ G.W.: Woran schreiben Sie jetzt und wie viele Bücher waren es im letzten Jahr? B.H.: Innenreisen. Es waren fünf. G.W.: Das ist ein spannender Titel. B.H.: Ja für mich auch G.W.: Beschreiben Sie in Ihren Büchern das, was Sie selbst erleben, wo Sie sich selbst befinden. B.H.: Ja, wie könnte ich sonst etwas anderes schreiben? Das was ich schreibe, das bin ich. G.W.: Ich habe gehört, Sie werden auch oft als Prophet bezeichnet. Was sagen Sie dazu? B.H.: Nichts. Vielleicht stimmt es, denn ein Prophet gilt im eigenen Land nichts. G.W.: Sie wohnen jetzt in Berchtesgaden? Weshalb haben Sie diesen Platz gewählt? B.H.: Diesen Ort hat meine Frau gewählt, denn ihr ist zu Ohren gekommen, dass der Salzheilstollen, welcher eine gute und große Wirkung bei vielen Krankheiten zur schnelleren Heilung führt, geschlossen werden soll. Da hat sie sich mit einem Freund von ihr zusammen getan und meint, das müsste doch den Menschen erhalten bleiben. Das war der Grund. Ich hab mich ihr gerne angeschlossen. G.W.: Man greift sie an, dass sie in der Reichskanzlei gewohnt hätten und mit den Nazis sympathisieren. B.H.: Ja, es ist leicht, jemanden etwas vorzuwerfen, wenn man selbst nichts mitgemacht und gelitten hat, sich dieses Ausmaßes überhaupt nicht bewusst ist, was man damit anrichtet. G.W.: Sagen Sie damit, dass das nicht stimmt? B.H.: Wenn es stimmen würde, wäre ich sicher als blonder, blauäugiger, großer, gebildeter Jüngling damals bei der SS gelandet. Meine Voraussetzungen waren dafür. Das Gegenteil war der Fall. Ich wurde beobachtet und als Volksfeind bezeichnet. Und als dieser verfolgt in Kriegsgefangenschaft unter Einsatz meines Lebens bin ich auch unter Lebensgefahr geflohen und die Auswirkungen dessen fühle ich bis zum heutigen Tag noch in meinem Körper. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Auch ich habe zugestimmt zu dem, wie es war und anerkannt, dass es anders nicht möglich war für mich. G.W.: Ihnen wird ein Doktortitel nach dem anderen verliehen. Was ist Ihre nächste Aufgabe? Ihre nächste Reise, Ihr Aufenthalt? B.H.: Meine nächste Reise führt mich nach Taiwan, Korea und Japan und eine Einladung nach New York von Havard zu einem Kongress der alternativen Medizin. G.W.: Stimmt es, dass Sie im Gespräch sind für einen Nobelpreis? B.H.: Ich weiß es nicht. Mir ist etwas zu Ohren gekommen, jedoch ich weiß es nicht. G.W.: Sie bringen auch noch eine Zeitung heraus, welche HellingerzeitSchrift heißt. Für wen ist diese Zeitschrift gedacht? B.H.: Für alle Personen, welche eine Hilfe braucht und ihr Herz und ihre Liebe, die sie geheim tragen, durchschauen und durchleuchten wollen. G.W.: Videos und DVD´s, das entnehme ich auch, dass es die auch in nicht mehr nennbaren Zahlen gibt? B.H.: Ja, die Nachfrage bestimmt das Angebot. In der Zwischenzeit ist es 0.30 h geworden und jetzt erhebt sich der Jubilar und singt ein Lied. Von Löwe „Die Uhr“. Ergriffen und wortlos staunend klingt der Abend aus. |
||||||||
|
|
| Impressum | Sitemap | Kontakt |