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Ordnungen des Helfens - Eine erste Einführung

Von Bert Hellinger

Zwischenbetrachtungen aus dem Kurs für Psychose-Patienten in Palma de Mallorca,
29. November - 1. Dezember 2002, nach einer Aufstellung.

(Beachten Sie bitte auch die erweiterte und aktualisierte Fassung "Ordnungen des Helfens - Ein erweiterter Überblick")

Kommt langsam zur Ruhe und geht in die Sammlung, bereit für Neues. Ich möchte etwas sagen über psychische Störungen. Wie entstehen sie? Wieso kommt eigentlich jemand zu einer Psychotherapie? Gewöhnlich, weil er abgeschnitten ist von jemandem. Sobald jemand abgeschnitten ist von seinen Eltern oder von einem seiner Eltern, verliert er Energie und Kraft. Er ist geschwächt und entwickelt Symptome.

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. Man stellt die Verbindung zum Getrennten wieder her. Wie ist das möglich? Welche Voraussetzungen muss der Helfer mitbringen, damit das gelingt? Das Erste ist, dass der Helfer selbst in Verbindung ist mit seinen Eltern, und mit seinen Ahnen, und mit seinem Schicksal, und mit seiner Schuld, und mit seinem Tod.

Wir können das jetzt als eine kleine Übung machen. Macht die Augen zu und fühlt in euch, in eurem Körper, eure Eltern. Es ist ja nichts in uns, das nicht von unseren Eltern gekommen ist am Anfang. Wir sind ja unsere Eltern. So machen wir uns innerlich weit, bis wir beide Eltern in uns spüren als Ganzes und zwar so, wie sie wirklich sind und waren. Ohne einen Wunsch, dass sie irgendwie anders gewesen sein sollten.

Auf gleiche Weise spürt ihr in euch eure Großeltern, und die Urgroßeltern, alle, die zur Familie gehört haben, und auch die früh Verstorbenen zum Beispiel. Alle kann man im eigenen Körper gegenwärtig spüren. So stimmen wir ihnen allen und uns selbst in unserem Körper zu. Wir schmiegen uns gleichsam an sie an, lassen uns von ihnen umfangen und werden eins mit ihnen. In dieser Bewegung, erfahren wir unser besonderes Schicksal: von unseren Eltern, von unseren Ahnen, aber auch von unserem eigenen Tun und unserer Schuld. Und wir stimmen diesem Schicksal zu: "Ja, das ist mein Schicksal und ich stimme ihm zu."

Dann kommt noch etwas hinzu aus der Seele. Denn über unsere Eltern und Ahnen hinaus, sind wir in Verbindung mit etwas Größerem, das uns und sie in den Dienst nimmt. Aus diesem Größerem kommt für jeden von uns eine besondere Bestimmung, eine Aufgabe, und von daher auch die Kraft, uns ihr zu stellen. Indem wir so zustimmen, werden wir frei, ohne Ablenkung durch vordergründige Wünsche. Wir sind von Größerem erfüllt.

Dann schauen wir vielleicht auf einen Klienten, der zu uns kommt und Hilfe braucht. Wenn wir auf ihn schauen, sehen und spüren wir zugleich seine Eltern, wie sie sind oder waren, und wir stimmen ihnen zu mit Achtung und mit Liebe. Dann schauen wir auf seine Großeltern und Urgroßeltern, alle seinen Ahnen, alle, die früh gestorben sind in seiner Familie. Sie werden in ihm für uns gegenwärtig und wir verneigen uns vor ihnen. Wir bitten sie um ihren Beistand.

Dann sind es nicht wir, die beginnen, für ihn zu sorgen. Sein Ahnen unterstützen uns, und darüber hinaus das Größere, an dem wir alle teilhaben. Wir erfassen vielleicht seine Bestimmung, seine Aufgabe und sein Schicksal. Und wir stimmen ihm zu.
Dann spüren wir, wie wir mit ihm verbunden sind und zugleich auch getrennt. Wir werden vorsichtig, sodass, was immer wir tun, im Einklang ist mit seiner ganzen Familie, mit seinem Schicksal, vielleicht auch mit seinem Tod.

Noch etwas. Wenn jemand auf seine Eltern böse ist, ihnen Vorwürfe macht, sie anklagt, sie vielleicht verachtet, und wir sind im Einklang mit seinen Eltern und seinen Ahnen, dann, soweit ich in Frage komme, weigere ich mich, ihm zu helfen. Er ist verloren. Wo dieser erste Schritt nicht gelingt, ist er verloren. Und was wird ihm helfen? Wenn ich ihn mit ihm im Einklang seinem Schicksal überlasse. Dann vielleicht geschieht die Wendung, die hilft.
Stellt euch vor, was würde passieren, wenn ihr die Stelle seiner Eltern einnehmt und ihm zu helfen sucht, gleichsam gegen seine Eltern, ohne ihren Segen und ohne den Segen seines Schicksals? Hier im Einklang zu bleiben, fordert Größe.

Noch etwas. Viele Störungen entstehen, weil jemand in einer Familie nicht Kind sein kann, weil aus einer Verstrickung heraus ihm etwas aufgebürdet wird, was die Verbindung zu den Eltern unmöglich macht. Zum Beispiel, wenn er sühnen muss, wenn er Schicksale, die nicht ihm gehören noch einmal wiederholen muss. Dann können wir helfen, indem wir dem nachgehen, bis wir finden, was die rechte Ordnung ist, die ihn von dieser Last befreit und die es ihm ermöglicht, Kind zu sein und als Kind zu nehmen, was ihm geschenkt ist.

Hinweis:
Dieser Kurs ist dokumentiert auf dem Video:
Bert Hellinger: Die Versöhnung des Getrennten. Ein Kurs für Psychose-Patienten in Palma de Mallorca.
Deutsch/Spanisch.
Gesamtlänge (5 Videos) 10 1/4 Stunden.
Erhältlich in unserem Onlineshop


 
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