Das Virtuelle InstitutAufstellerMitgliederbereichÖffentliches Forum
 
    Das Virtuelle Institut | Bert Hellinger | Zwischenbetrachtungen
 

Über systemische Empathie und falsches Mitgefühl

Von Bert Hellinger

Zwischenbetrachtungen aus dem Kurs für Psychose-Patienten in Palma de Mallorca,
29. November - 1. Dezember 2002, nach einer Aufstellung.

In der psychotherapeutischen Ausbildung und auch in der Ausbildung von Sozialarbeitern wird großer Wert darauf gelegt, dass sie sich einüben in die Empathie, in das Mitgefühl mit einem Klienten. Was passiert, wenn man die Therapeuten anschaut, die Empathie haben mit einem Klienten? Wie verhalten die sich? Was machen sie mit dem Klienten? Sie machen ihn zum Kind und verhalten sich, als seien sie Vater und Mutter.

Sobald diese Art von Empathie hergestellt ist, hindern sie ihn am Handeln. Natürlich fühlen sie sich dabei besser. Sie saugen die Lebensenergie von ihren Klienten und nähren sich daran wie Vampire. Das ist der Schatten der Empathie. Natürlich saugt auch der Klient am Therapeuten. Sie saugen sich gegenseitig aus. Habe ich das zu krass gesagt?

Ich konnte das hier beobachten. Manche haben sich, nachdem ich mit einer Klientin gearbeitet habe, auf sie gestürzt mit so genannter Empathie. Was haben sie mit ihrer Seele gemacht und mit ihr als Person? Sie haben sie verachtet. Das ist die eine Art von Empathie. Wenn man das vergleicht mit dem, was ich mit ihr gemacht habe? Ich habe sie gewürdigt, indem ich sie mit den Folgen ihres Verhaltens konfrontiert habe. Ich hatte auch Empathie. Aber mit wem? Mit dem Opfer. Diejenigen, die dann zu ihr hingegangen sind, hatten kein Mitgefühl mit dem Opfer. Das ist ihnen entgangen.

Also, hier bei dieser Arbeit braucht es systemische Empathie. Das heißt, ich habe die ganze Familie in meinem Herzen. Dann weiß ich sofort, wer meine Empathie braucht. Heute Morgen, als die Mutter wegen ihrem Sohn zu mir kam, mit wem hatte ich Empathie? Nicht mir ihr. Mit ihrem Sohn. Weil ich Empathie hatte mit ihrem Sohn, konnte sie arbeiten.

Die systemische Empathie geht vor allem auf den, der ausgeschlossen ist oder der zum Opfer gemacht wird. Auf den, der für die anderen etwas tragen muss, obwohl es ihm selbst nicht gehört. Diese Empathie geht in der Regel auf das Dunkle, auf das so genannte Böse. Das nehme ich zuerst in mein Herz. Dann habe ich Kraft.

In der letzten Aufstellung hier, mit wem hatte ich Empathie? Mit der Therapeutin natürlich. Sie war das arme Opfer.

Das stellt einiges in der Psychotherapie auf den Kopf. Man kann sehen, was man manchmal anrichtet mit der bequemen Empathie. Nur den Klienten anzuschauen, das ist bequem. Aber sich dem Ganzen zu stellen, das braucht Kraft und manchmal auch ein bisschen Witz.

Hinweis:
Dieser Kurs ist dokumentiert auf dem Video:
Bert Hellinger: Die Versöhnung des Getrennten. Ein Kurs für Psychose-Patienten in Palma de Mallorca.
Deutsch/Spanisch.
Gesamtlänge (5 Videos) 10 1/4 Stunden.
Erhältlich bei:
Video Verlag Bert Hellinger, Postfach 2166, D-83462 Berchtesgaden und bald auf dieser Homepage.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin April 2003


 
© 2003 Bert Hellinger International Impressum | Sitemap | Kontakt