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Eine typische Aufstellung

Der Segen

Vater eines Kindes mit Down-Syndrom und schwerem Herzfehler

Hellinger zum Mann: Was ist bei euch?

Mann: Wir haben heuer im Mai ein Kind bekommen, das ein Down-Syndrom hat, und letzte Woche ist der kleine Leonhard ins Krankenhaus gekommen, weil festgestellt wurde, daß er einen schweren Herzfehler hat. Ich möchte das aufstellen lassen.

Hellinger: Okay, komm hierher. Ist die Frau mit dabei?

Mann: Nein.

Hellinger: Du bist alleine?

Mann: Ja.

Hellinger: Okay. Wie viele Kinder hast du?

Mann: Drei Kinder.

Hellinger: Und dieses kranke Kind ist das Jüngste?

Mann: Ist das Jüngste, ja.

Hellinger: Okay, jetzt stellen wir auf: dich, deine Frau und die drei Kinder. Du hast ja gesehen, wie es geht. So machst du es auch: du wählst aus und stellst auf.


Bild 1


Mn Mann
F Frau
1 Erstes Kind, Tochter
2 Zweites Kind, Sohn
3 Drittes Kind, Sohn, behindert

Hellinger zum Mann: Was ist in deiner Herkunftsfamilie passiert, also mit den Eltern und Geschwistern?

Mann: Der Vater ist sehr früh an Krebs gestorben, als ich sieben Jahre alt war. Ich habe noch vier Geschwister. Die Mutter war alleine. Sie hat sehr viel Arbeit gehabt. Wir haben einen kleinen Bauernhof, und es war sehr wenig Zeit für uns.

Hellinger: Du bist das wievielte Kind?

Mann: Ich bin das zweite.

Hellinger: Stell noch deinen Vater auf.


Bild 2

+VMn Vater des Mannes, früh verstorben

Hellinger: Für die Therapeuten hier: Wenn jemand so nahe gestellt wird wie der jüngste Sohn, vertritt er meist einen Elternteil. Deswegen habe ich gleich gefragt, was in seiner Herkunftsfamilie war. - Wie geht es dem Mann?

Stellvertreter des Mannes: Ich fühle mich so dazwischen. Wenn ich mich den beiden Kindern links zuwende, habe ich die anderen beiden Personen nicht im Blick, und wenn ich mich den beiden rechts von mir zuwende, habe ich die zwei links von mir nicht im Blick. Ich müßte mich entscheiden, aber das will ich nicht. Daher drehe ich mich mal dahin und dorthin.

Hellinger: Hat sich was verändert als dein Vater dazukam?

Stellvertreter des Mannes: Noch nicht. Ich habe ihn noch nicht im Blick.

Hellinger: Was ist bei der Frau?

Frau: Ich habe das Gefühl der freundlichen Zuwendung vom Mann. Ich spüre sehr stark die Nähe zur älteren Tochter. Ich spüre große Distanz zum behinderten Kind. Es kommt mir vor, als würde sich das Kind abwenden von mir, es ist wie eine Mauer dazwischen. Zum mittleren Kind habe ich gar keinen Bezug.

Hellinger: Wie geht es dem ältesten Kind?

Erstes Kind: Ich merke, daß ich gerne alle sehen möchte. Ich habe gerne Blickkontakt mit allen, aber es geht nicht ganz mit allen. Ich fühle Wärme von den Eltern und auch vom mittleren Kind. Zum behinderten Kind ist wenig Kontakt, das ist abgewendet. Um den Großvater zu sehen, muß ich mich umdrehen.

Hellinger zum zweiten Kind: Was ist bei dir?

Zweites Kind: Meine Hände sind kalt, aber vorne am Bauch ist mir ganz warm.

Hellinger zum behinderten Kind: Bei dir?

Drittes Kind: Ich schaue an allen vorbei nach hinten, nach hinaus, und ich bin ganz froh, daß jemand neben mir steht und meine Hand ganz warm ist.

Hellinger zum verstorbenen Vater des Mannes: Wie geht es dir?

Vater des Mannes: Einerseits weiß ich nicht recht, was ich da soll, und auf der anderen Seite muß ich mich bemühen, daß ich nicht schwindelig werde, daß sich nicht der ganze Raum dreht.

Hellinger zum Mann: War jemand vorher in fester Bindung, du oder deine Frau, also verlobt oder verheiratet oder eine längere intensive Freundschaft?

Mann: Ja, ich habe eine Beziehung gehabt.

Hellinger: Hast du die Frau heiraten wollen?

Mann: Vorher ja. Das ist aber dann in die Brüche gegangen.

Hellinger: Wieso?

Mann: Das weiß ich nicht sicher. Ich glaube, sie hat einen anderen kennengelernt und sich dem dann zugewandt.

Hellinger: Stelle diese Frau auch auf.


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FFMn Frühere Freundin des Mannes

Hellinger zum Mann: Und was ist Besonderes passiert in der Familie deiner Frau?

Mann: Ein Onkel von ihr hat Selbstmord gemacht, zwei andere Onkel sind frühzeitig verstorben. Ihre Eltern sind schon sehr alt gewesen, als sie auf die Welt kam. Sie hat noch einen älteren Bruder.

Hellinger zur Tochter: Ist irgendetwas bei dir verändert, seit sie da ist?

Erstes Kind: Ja. Sie zieht meine Aufmerksamkeit sehr auf sich. Ich muß hinschauen lacht.

Hellinger zum Mann: Also, die Tochter vertritt die frühere Freundin. Okay, jetzt schauen wir mal, was wir machen.

Hellinger stellt den Vater des Mannes weiter weg, und den Mann links neben ihn.


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Hellinger zum Stellvertreter des Mannes: Wie ist das?

Stellvertreter des Mannes: Besser als vorher. Hier habe ich alle im Blick. Ich stehe neben meinem Vater, habe meine ehemalige Freundin im Blick und die Familie.

Hellinger zum behinderten Sohn: Ist bei dir etwas verändert?

Drittes Kind: Als die Frau da hinten gekommen ist, ist plötzlich der Kontakt zu meinem Bruder nicht mehr so dicht gewesen. Es war auch nicht mehr so notwendig. Ich stehe da herum. Es ist nicht wirklich unangenehm, es ist aber auch nicht eine wirkliche Beziehung. Zum Bruder habe ich noch ein bißchen Beziehung, sonst schaue ich, wie es so ist.

Hellinger stellt nun die Frau neben den Mann, und die Kinder den Eltern gegenüber. Die frühere Freundin stellt er mehr zurück.


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Hellinger zur früheren Freundin: Wie geht es dir?

Frühere Freundin des Mannes: Ich habe vorher Blickkontakt zur Tochter gehabt. Jetzt stehe ich sehr isoliert und gehöre nicht dazu.

Hellinger: Was ist jetzt beim Mann?

Stellvertreter des Mannes: Es ist zwar besser, wenn sie weiter weg ist, aber ich merke, ich kann sie noch nicht richtig loslassen. Die Kinder sind mir zu weit weg, und ich freue mich, daß die Frau neben mir steht.

Hellinger wechselt die Positionen des Paares und stellt den Vater des Mannes in einigem Abstand links neben ihn.


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Hellinger zum Stellvertreter des Mannes: Wie ist es jetzt?

Stellvertreter des Mannes: Ja, der Vater ist weiter weg, das ist besser, und ich kann mich mehr auf meine Frau und die Kinder konzentrieren.

Hellinger zum Mann: Wo es eine frühere Freundin gab, muß die Frau dazwischentreten. Das ist gar nicht so leicht, weil ja die zweite Frau sich nicht traut, den Mann zu nehmen, da sie ihn auf Kosten einer früheren hat, und weil zu ihr eine Bindung besteht. Wenn sie sich dazwischen stellt, fühlt sie sich schuldig. Doch sie muß dazu stehen und sagen: »Jetzt nehme ich den Mann.« Dann ist die Tochter frei.

Hellinger: Wie geht es der Tochter jetzt?

Erstes Kind: Mir geht es viel besser. Ich habe gemerkt, ich atme auf. Ein bißchen möchte ich noch weiter rüber zu den Eltern gehen.

Hellinger: Das ist okay.

Hellinger zu den anderen Kindern: Geht mit.


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Hellinger: Wie geht es der Frau jetzt?

Frau: Ich habe den Blick frei auf meine Kinder. Ich spüre auch eine freundliche Zuwendung vom jüngsten Sohn und fühle mich verbunden mit dem Mann. Kraft.

Stellvertreter des Mannes: Mir geht es auch so. Ich hätte die Kinder gerne noch etwas näher. Der Vater könnte noch etwas mehr zurücktreten.

Hellinger zum behinderten Kind: Wie geht es dir jetzt?

Drittes Kind: Ich habe eine sehr fröhliche Grundstimmung. Es ist nicht die große Liebe, aber es ist sehr schön.

Hellinger zum zweiten Kind: Bei dir?

Zweites Kind: Es ist schön, alle zu sehen.

Hellinger zum Vater des Mannes: Was ist bei dir jetzt?

Vater des Mannes: Ich habe auch das Gefühl, ich müßte noch ein bißchen weiter zurückgehen. Und dann ist es schön, das so aus der Ferne zu sehen. Das ist jetzt alles so schön übersichtlich und klar geworden.

Hellinger stellt ihn ein bißchen weiter zurück.


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Hellinger zum Mann: Jetzt komme du hierher und stelle dich hinein. Wie geht es dir?

Mann: Jetzt geht es mir sehr gut. Ich habe einen direkten Kontakt zu den Kindern, und ich spüre die Frau an der rechten Seite.

Hellinger: Jetzt nimm den jüngsten Sohn bei der Hand und gehe mit ihm zu deinem Vater.


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Hellinger: Wie hast du deinen Vater angeredet?

Mann: Papa.

Hellinger: Sag: »Lieber Papa.«

Mann: Lieber Papa.

Hellinger: »Schau freundlich auf mich und auf meinen Sohn.«

Mann: Schau freundlich auf mich und meinen Sohn.

Hellinger: »Schau, er ist behindert.«

Mann: Schau, er ist behindert.

Hellinger: »Segne ihn und schütze ihn.«

Mann: Segne ihn und schütze ihn.

Hellinger: »Bitte Papa.«

Mann: Bitte Papa.

Vater des Mannes: Ja, das mache ich.

Hellinger zum behinderten Kind: Wie geht es dir dabei?

Drittes Kind: Ich habe nicht das Gefühl, daß ich behindert bin, aber es ist so schön, wie er von mir redet. Ich habe das Gefühl, ich brauche gar nicht so viel. Ich fühle mich sehr wohl.

Hellinger zum Mann: Führe ihn zum Vater hin, ganz nahe.

zum Vater des Mannes: Und du nimm beide in den Arm.

Alle drei umarmen sich lange und fest.

Hellinger nach einer Weile zum behinderten Kind: Wie geht es dir?

Drittes Kind: Gut.

Mann: Mir geht es auch gut. Ich habe viel Kraft gespürt, daß sie rübergegangen ist zum Leonhard. Da ist eben viel Kraft da. Mein Papa ist aus dem Blickwinkel, aber ich habe Kraft von ihm gespürt.

Hellinger: Jetzt führe den Sohn zurück und stelle dich neben deine Frau.


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Hellinger zum Mann: Schaue die frühere Freundin an und sag ihr: »Ich behalte, was du mir geschenkt hast.«

Mann: Ich behalte, was du mir geschenkt hast.

Hellinger: »Und halte es in Ehren.«

Mann: Und halte es in Ehren.

Hellinger: »Das ist jetzt meine Frau.«

Mann: Das ist jetzt meine Frau.

Hellinger: »Ich nehme sie als meine Frau.«

Mann: Ich nehme sie als meine Frau.

Hellinger: »Schaue freundlich auf uns und auf unsere Kinder.«

Mann: Schaue freundlich auf uns und auf unsere Kinder.

Hellinger zur früheren Freundin: Wie geht es dir dabei?

Frühere Freundin des Mannes: Es geht mir sehr gut. Ich fühle mich von der Weite her wohl an diesem Platz.

Hellinger zum Mann: Schaue deine Frau an. Sag ihr: »Ich nehme dich jetzt als meine Frau.«

Mann: Ich nehme dich jetzt als meine Frau.

Hellinger zur Frau: Wie geht es dir?

Frau: Sehr gut. Ich fühle mich voll akzeptiert und habe das Gefühl, ich brauche nicht zuviel für dieses kranke Kind tun.

Hellinger: Okay, das war es dann.

zur Gruppe: Wenn die Kinder ihre Eltern als ein Paar sehen, geht es ihnen gut.



Zusammenfassung

Die Verstrickung: Obwohl die Behinderung und die Krankheit des Kindes organisch bedingt sind, muß es dennoch für seinen Vater dessen früh verstorbenen Vater vertreten. Die ältere Tochter muß eine frühere Freundin des Vaters vertreten.

Die Lösung: Der Vater führt den behinderten Sohn vor seinen Vater und sagt: »Lieber Papa, bitte schau freundlich auf mich und auf meinen Sohn. Schau, er ist behindert. Segne und schütze ihn. Bitte, Papa.«

Er sagt seiner früheren Freundin: »Ich behalte, was du mir geschenkt hast, und halte es in Ehren.« Dann zeigt er auf seine Frau und sagt: »Das ist jetzt meine Frau. Ich nehme sie als meine Frau. Schau freundlich auf uns und auf unsere Kinder.«

Er sagt seiner Frau: »Ich nehme dich jetzt als meine Frau.«


 
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