| Das Virtuelle Institut | Familien-Stellen | |||
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Grundlagen
und Voraussetzungen Das Familien-Stellen: eine Standortbestimmung Ordnungen des Helfens - ein erweiterter Überblick Frieden, was heißt das? Familien-Stellen - Lehren und Lernen Ordnungen der Liebe Familien-Stellen in Bewegung Phänomenologische Erkenntnis Trauer und Versöhnung Eltern und Kinder Mann und Frau Familien-Stellen und Krankheiten Zur Entwicklung des Ansatzes Verwandte Denkweisen
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Das Familien-Stellen ist eine Kunst Konzeptionelle Überlegungen zu anspruchsvollen Ausbildungen von
(Zuerst erschienen in der Zeitschrift
Als ich 1995 begann, Bert Hellingers Aufstellungsarbeit in Amerika vorzustellen, hatte so gut wie niemand davon je etwas gehört. Als dann allmählich der heilsame Nutzen der Arbeit erkannt wurde, war ich sehr bald mit der Tatsache konfrontiert, dass Therapeuten diese Arbeit zu lernen wünschten, aber auch Psychogeschäftemacher und mehr oder weniger gescheiterte Existenzen ihre Chance witterten; sie besuchten Workshops und stellten viele Fragen. Es gab dabei Erscheinungen, die mich geradezu fassungslos machten, wie zum Beispiel ein Psychotherapeut, der, nachdem er an zwei Wochenend-Workshops teilgenommen hatte, und zwar völlig eingenebelt in eigene heftige Dynamiken, öffentlich erklärte, von mir ausgebildet worden zu sein und alsdann begann, selber als Trainer aufzutreten. Indes sind wir hier in Europa ja auch fleißig dabei, das "Hohe Lied" des Konsumierens zu erlernen, wie die Flut an unqualifizierten Aufstellungsseminaren und leider auch das Studium so mancher Trainingsofferte lehrt. Nach mehreren Jahren der Erfahrung mit derartigem Lehren und Lernen, kam ich zum Schluss, dass der vorherrschende schnelle Einkauf von Kenntnissen und Fertigkeiten zum Zwecke unverzüglichen Wiederverkaufs in den meisten Fällen nicht in die Tiefe vorzudringen vermag, in der diese Arbeit ihre volle Kraft entfaltet, dass ihre Aneignung oberflächlich und ganz vom "Know How" bestimmt ist, welches dann oft noch mit "Zuckerkruste" versehen wird und kombiniert mit allen möglichen Flachheiten daherkommt. Angesichts solcher Entwicklungen erscheinen mir mystifizierende Vorstellungen, die Arbeit sei entweder in der Lage, sich selber zu schützen, oder man könne da nichts machen, so billig wie die Entwicklung, die sie kommentieren. Zu resignieren vor dem Zeitgeist oder sich andersherum auf seinen Waren-Wunderteppich zu setzen ist unserer Arbeit alles andere als angemessen, da sie ihrem Wesen nach dem Zeitgeist entgegensteht. Mit der Absicht, das mir Mögliche zu tun, gut ausgebildete Aufsteller im Markt zu etablieren, so dass sich längerfristig die Spreu vom Weizen trennen könne, bot ich schon 1998 ein erstes formelles Training an, obwohl mir das zu diesem Zeitpunkt noch fast wie ein Bruch eines Tabus anmutete, teile ich doch die Sorge um die Gefahren einer Schulenbildung. Gedanken zur (Aus-)Bildung künstlerischer / "aufstellerischer" Persönlichkeiten Ein auf Tiefe und Qualität zielendes Training verlangt Kontinuität
über eine längere Zeit und einen intensiven Prozess der Auseinandersetzung
mit der Arbeit und mit sich selbst. Wenn auf diese Weise, besonders bei der Erforschung eigener Anteile bei Phänomenen des Widerstandes, unweigerlich die eigenen Schatten, blinden Flecke und der eigene Charakter tangiert werden, wird oft rasch klar, dass das wirkliche Eintauchen in phänomenologisch-systemische Arbeit für viele mehr fordert, als sie zunächst zu geben bereit waren. Ich plädiere daher dafür, dass wir alle, die wir Aus- und Fortbildungen anbieten, unsere Angebote kritisch überprüfen, ob sie den Mut zeigen, gegen die blanke Logik des Marktes, den Studierenden etwas abzuverlangen. Wir sollten dabei orientiert sein an der Frage, ob, nach Maßgabe dessen was wir zu antizipieren in der Lage sind, unser Angebote, qua Struktur, Inhalt und Methodik geignet sind, Absolventen zu entlassen, die voraussichtlich die Tiefe der Arbeit weitertragen und fortzuentwickeln vermögen (und dem Lebenswerk Bert Hellingers Ehre machen werden).
Für eine Ausbildung, die mit nichts weniger befasst ist als mit der Arbeit an guten Ordnungen in der Seele von Sippen und Familien (und den systemischen Ausgleichskräften von Organisationen und Betrieben) scheint es mir mehr als angemessen, Trainingsprozesse zu kreieren, die über das Handwerkliche hinausstreben und dem anspruchsvollen Ziel folgen, Wachstumsprozesse anzuregen zur Fähikeit, eine Kunst des Aufstellens auszuüben. Das heißt, Ausbildung sollte von vorneherein den Lernenden hilfreich sein, je eigene Wege zu bahnen, im Laufe der Zeit und mit wachsender Erfahrung vom reproduzierenden Anwender zum schöpferischen Wender zu gelangen ohne die Authentizität der Arbeit zu verlieren. Bei der Verwendung der Begriffe Kunst und Künstler sind wir in der Regel nicht gewohnt, auf die erstaunlich große Zahl von Künstlern zu schauen und den entsprechend großen Fundus an exzellenten Kunstwerken, die von einer breiteren Öffentlichkeit unbeachtet geblieben sind. Wir schauen etwa auf solch herausragende Gestalten der Kunstgeschichte wie Michelangelo (der persönlich sein Leben lang kreuzunglücklich war) aber in unübertrefflicher Weise Handwerk und Kunst verschmolz und die neue Weltsicht der Renaissance aus dem Marmor meißelte. Mit Blick auf sein Werk drängt es sich schon auf, zu glauben, dass jenseits des immensen Fleißes und dem schlichten An-der-Zeit-sein, ein gleichsam verliehener Genius am Werk gewesen sein müsse. Wieso aber nehmen wir an, dass solches nur wenigen zuteil werden könnte? Den Kräften, die hinter den kulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Selektionsprozessen wirkten, die darüber entschieden, welche Kunst geboten war, kam der Mythos von den wenigen Begnadeten freilich zu pass. Die Erfahrung, dass Größeres auch durch uns gewöhnlich Sterbliche hindurch wirkt, ist in uns Aufstellern doch sehr lebendig, etwa in der Weise, wie sie Matthias Varga von Kibed für die Aufstellungserfahrung so schön beschrieben hat:
Während ich so ganz in die Aufstellungsarbeit eingenommen bin, spüre ich wie dieses Tun sich exakt genauso anfühlt, dieselben Energien mobilisiert und verbraucht, wie mir dies geschah, wenn ich mich mitten in den Werdensprozess eines Kunstwerks eingeflochten befand. Am Ende eines Seminars, wenn ich mich dann im Kreis umschaue, in die
entspannten Gesichter blicke und die Augen sehe, aus denen Leben glänzt,
und fühle wie der Raum in mir und der um mich von Dankbarkeit erfüllt
ist, dann kommt mir öfters Joseph Beuys in den Sinn und sein Begriff
des sozialen Kunstwerks. Es ist zu bedauern, dass dieser große Künstler
des zwanzigsten Jahrhunderts das systemische Aufstellen nicht mehr erlebt
hat. Ich glaube, es hätte seinem Streben nach der Kunst als sozialer
Plastik eine ganze Dimension hinzugefügt.
Beuys hat das Künstlertum "den wenigen genialen Künstlern"
Dieses eigentümliche Feld, welches uns in seinen Dienst nimmt und
beschenkt, bedarf, bei aller sozialen Erweiterung des Kunstbegriffs, des
künstlerischen Subjekts, des zelebrierenden Schamanen, des Magiers
der Aufstellungskräfte, des wahrnehmenden, transformierenden, zielgerichteten
Mittlers. Beuys selbst war hier ein Beispiel, er hat seine Aktionen nie
dem Publikum Wenn wir als Künstler solche Menschen beschreiben, die größere
Wirklichkeit(en) aufzunehmen und durch ihre Person hindurch zu bündeln
und zu formulieren vermögen, sind wir mit der Frage nach Erlernbarkeit
und den bildbaren Anteilen eines solchen künstlerischen Produktionsvermögens
auf die Persönlichkeit des Künstlers verwiesen. Was es im Einzelnen
in der Persönlichkeit auch immer sein mag, was bei einem solchen
Bildungsprozess in dieser angelegt und angeregt wird und dann über
das bloße Reproduzieren von Erlerntem hinausführt; es ist keinesfalls
nur etwas für das äußerlich Funktionelle, Angeeignete,
vielmehr etwas, was dem den ganzen Menschen prägenden Wesen zugehört;
es ist aber andererseits auch nichts, was dem Bilden, Zuwachsen, Erwachsen
und Einwachsen entzogen wäre, Persönlichkeit ist der Wandlung
fähig. Die Persönlichkeit ist letztlich die einzige Instanz durch die das
Kunstwerk konkrete Gestalt annehmen kann (und noch im Werden schon auf
diese formend zurückwirkt). Die langjährige Ausübung künstlerischer Lehre in verschiedenen
Zusammenhängen jenseits der öffentlichen Schule lehrte mich,
dass bei allen in diesem Feld engagiert Lernenden, höchst eigenartige
ästhetische Potentiale verborgen sind, warum sollte dies bei den
"psychischen Vermögensanlagen" für die Kunst des Familienstellens
anders sein? Von Anstößen, die diese Potentiale zu erschließen vermögen, gehen Lernbewegungen aus, die die Entwicklung künstlerischer Persönlichkeiten unterstützen. Sie sind freilich von anderer Natur als die für die Aneignung des Handwerklichen notwendigen. Sie haben eher die Physiognomie einer unterstützenden Begleitung von Wachstumsklienten in einer humanistischen Therapie als die einer Handwerkslehre. Die Stellung des Handwerklichen in der Ausbildung Handwerkliche Fertigkeiten sind an die Handhabung des (Hand-)Werkszeugs gebunden, die Wahl des Werkzeugs ist bezogen auf das zu bearbeitende Material, und der gute Umgang damit will sehr wohl gelernt sein. Alle handwerklichen Lerngegenstände sollten in einer Ausbildung versammelt sein. Es sind dies alle Elemente der phänomenologisch-systemischen Therapie, ihre ethischen Haltungen, bisherige empirischen Erfahrungen, Methoden, Experimente, die Grundzüge phänomenologischer Philosophie, paradoxales und systemisches Denken, die Fähigkeit zur komplexen und blitzartigen Wahrnehmung. Der Kanon des zu begründenden handwerklichen Könnens geht also weit hinaus über das Anwenden der "Ordnungen der Liebe" oder der Techniken des Aufstellens. Das Handwerkliche selbst wurde auch in der künstlerischen Lehre
stets als fundamentaler Bestandteil aufgefasst, paradoxerweise selbst
noch zu Zeiten moderner Kunst, welche bekanntlich zu weiten Teilen gegen
das Handwerkliche eingenommen war. Trotz allen Beziehens hat sich indes
die historische Trennung von Kunst und Handwerk vollzogen. Wäre das Handwerk für eine Ausbildung genug, müsste es tatsächlich so etwas wie das "richtige"und voraussagbare Aufstellen geben, denn es ist das Wesen des Handwerks zu wissen, wie etwas richtig und gut gemacht wird. Das gibt es, wie wir alle wissen, in der Aufstellungsarbeit in dieser Form aber nicht, so wenig wie in der Kunst. Es ist geradezu das Wesen eines gelungenen Kunstwerks der Gegenwart, die Kategorien des Richtig und Falsch überwunden zu haben; ja, selbst das Unangemessene kann hier im Kontext des Ganzen zu einem bedeutenden Ausdrucksträger werden, so gut wie ein handwerklicher Fehler sich in der Aufstellungsarbeit manchmal plötzlich als weiterführend erweist oder überraschenderweise sogar eine lösende Wirkung erzeugt. Drei Gründe, warum es nicht (mehr) genügt, sich das Handwerk des Aufstellens anzueignen Erfahrene Aufsteller und Aufstellerinnen der ersten Generation, die sich die Kunst des Aufstellens mehr oder weniger selbst angeeignet haben, mögen sich vielleicht die Frage stellen, ob es denn überhaupt notwendig sei, so intensiv nachzudenken über Lehren und Lernen und über Ausbildungskonzeptionen, angesichts eines Lerngegenstandes, der sich in der Arbeit in so wunderbarer Weise selbst entfaltet. Es lassen sich (mindestens) drei gewichtige Gründe bündeln, warum es nach meinem Erachten nicht mehr genügt, sich auf die eine oder andere Weise das Handwerk anzueignen und warum diese Aneignung in einen strukturierten und umfasserenden Bildungsprozess eingebettet sein sollte.
Zur Qualifikation der Lehrenden Bert Hellinger selbst ist natürlich das beste Beispiel für einen Aufsteller, der die skizzierten persönlich Eigenschaften repräsentiert und zu einem signifikanten Bestandteil seiner Methode gemacht hat. Mir scheint allerdings, dass er diesen ganz wesentlichen Bestandteil seiner Arbeit, in seinen bislang geäußerten Ansichten zur Lehre und zur Lehrbarkeit seiner Arbeit, unberücksichtigt gelassen hat. Was wäre seine Arbeit ohne diese Tugenden? Wie könnte er ohne sie so kraftvoll, furchterregend streng, liebevoll, so durchschlagend wirksam arbeiten? Natürlich können wir nicht alle Hellinger werden und in jahrelangem Training Charakterbildung betreiben, oder doch? Ein bisschen Hellinger werden, kann, meine ich, nicht schaden; mir hat nachahmendes (mimetisches) Lernen geholfen, Klarheit, Mut, Würde und Kraft in mir zu spüren und dadurch meine eigenen entsprechenden Potentiale zu mobilisieren. Wer eingenommen ist in die Hellingersche Seelenarbeit und sich ihrer Tiefe stellt, ist unweigerlich mit seiner Charakter- und Persönlichkeitsbildung beauftragt. Es ist mir vor Aufnahme in mein Training wichtig zu klären, ob die Bewerberin oder der Bewerber mit meiner Person und meiner Art in der Arbeit zu sein, irgendwie zusammenschwingt oder nicht; daher verlange ich, dass vor Beginn eines Trainings mindestens zwei von mir geleitete Workshops besucht werden. Diese Übereinstimmung zwischen Trainee und Trainer ist für das Gelingen des mimetischen Lernens von Bedeutung. Denn mimetisches Lernen bezeichnet hier ein nachahmendes Lernverhalten, das nicht lediglich schauspielerisch imitiert , sondern sich vollzieht indem der/die Trainee sich mit der Art und Weise der Arbeit des Lehrenden identifiziert, für eine Weile die lehrende Person quasi inkorporiert, diese, in den hier bedeutsamen Aspekten, geradezu wird. Das in sich Aufnehmen von Verhalten des Lehrenden, welches gleichsam mit persönlichen Qualitäten geladen ist, die den therapeutischen Prozess durchwirken, setzt eigene Anlagen gleicher Art resonierend in Schwingung. Ihre Qualitäten und ihre Kraft werden als eigene gespürt und können in funktionellem Zusammenhang zugleich in ihrer Wirkung erprobt werden. Die besondere Qualifikation der Lehrenden besteht dabei in der Fähigkeit, solche mimetischen Prozesse zuzulassen und ihnen zugleich entgegenzuarbeiten. Hilfe zur Identifizierung kommt aus der Exzellenz der Arbeit des Lehrenden, der als Praktizierender Vorbild ist. Hilfe zur Entidentifizierung kommt durch die Offenlegung eigener Unsicherheiten, Schwierigkeiten, der Mitteilung ungelöster Fragen und Markieren persönlicher Begrenzungen, durch Teilnahme der Trainees an Veranstaltungen bei anderen Aufstellern und Aufstellerinnen (als Teil des Ausbildungskonzepts) und besonders durch das Benennen und Verstärken ganz eigener Fähigkeiten der Trainees. Das Aufspüren, Würdigen und Verstärken jener besonderen, bislang un(an)erkannten Potentiale, ist neben dem mimetischen Lernen das zweite Kernstück der Lehre zur Kunst des Aufstellens. Hier vor allem entscheidet sich, ob Trainer und Trainerinnen nur gute Aufsteller oder auch gute Lehrer sind. Eine Unterscheidung die im küstlerischen Bereich viel zu selten gemacht wird, es herrscht dort eine eigenartige Blindheit gegen die Tatsache vor, dass ein guter Künstler noch lange kein guter Vermittler seiner Kunst sein muss. Diese Blindheit sollten wir in unserem Feld vermeiden. Unlängst las ich in der Ankündigung eines Aufsteller-Trainings, der Anbieter habe schon über tausend Aufstellungen gemacht und hätte demnach Erfahrungen genug, jetzt auszubilden. Ich hätte darüber hinaus gerne gelesen, dass er über viele Jahre Erfahrungen gesammelt habe in anderen Formen humanistischer Therapie, vorzugsweise in solchen, die mit Charaktertransformation befasst sind, oder wenigstens über umfassende Erfahrungen in der Bildungsarbeit verfüge. Die Voraussetzungen, die Albrecht Mahr in seiner Es gibt reichlich Anhaltspunkte dafür, dass systemische Verstrickungen
gewichtige Anteile in individuelle Charakterbildungsprozesse einbringen.
Zum Beispiel fiel es einem Teilnehmer nach längerer Zeit in der Ausbildungsgruppe sichtlich schwer, die von Hellinger gefundene Art des Umgangs mit Schuld zu verstehen. Als dieses Phänomen wieder und wieder auftrat, schlug ich vor, eine Aufstellung zu machen, denn das Phänomen ragte aus seinem sonstigen Verhalten deutlich heraus, hatte den Charakter eines Symptoms. Es dauerte wiederum einige Zeit bis er sich an die Aufstellung wagte. Was ans Licht kam, war eine schwere Schulddynamik in der Elterngeneration, die restlos verdeckt gewesen war. Wenn eine innere Lösung aus einer tiefen Verstrickung herangereift ist, kann daraus der sich entwickelnden Aufstellerpersönlichkeit eine besondere Kompetenz zuwachsen. In dem geschilderten Beispiel mag eine Art Spezialistentum für Schulddynamiken entstehen, diese werden dann geradezu gerochen. Derartige "blinde Flecken" bei Aufstellern und Aufstellerinnen, die sich in eine Qualität zu verwandeln vermögen, können anderseits, wenn sie unentdeckt bleiben, ein dauerndes Lösungshindernis und eine Quelle für Widerstandsverwicklungen darstellen. Zur Dauer und Struktur eines Trainings Die hier skizzierten Prozesse entfalten sich wie gesagt nicht in "Crash-Kursen", sondern bedürfen der Reifezeit und einer längeren Zeit der kontinuierlichen Beziehungen zu einem Lehrer oder einer Lehrerin. Andernfalls ist weder ein günstiger Prozess mimetischen Lernens noch Wandeln und Wachsen an charakterstrukturellen Hindernissen oder systemischen blinden Flecken möglich. Ein solches Konzept muss, um seine volle Kraft als ein Training zu entfalten, nach einer kürzeren Zeit des Basislernens eigene Praxiserfahrungen mit Supervision einschließen, außerdem das Lernen von anderen Aufstellern und Aufstellerinnen. Dies sollte geschehen, ohne die Kontinuität des Ausbildungsgangs mit dem gewählten Trainer oder der Trainerin und der Ausbildungsgruppe zu unterbrechen, die externen Erfahrungen und ihre Rückwirkung auf die internen können so gemeinsam reflektiert werden. Als geringst mögliche Dauer eines anspruchsvollen Basis-Trainings würde ich 2 Jahre einschätzen mit einer Vorphase (Trainer kennenlernen) und einer Einführungsphase, einer Seminarzeit von mindestens 6 Seminaren von 6 Tagen Dauer mit dazwischengeschalteten (selbstorganisierten) Studiengruppen. Besser erscheint mir allerdings 40-50 Tage in Seminaren mit unterschiedlichen Formen und -Formaten. Die Binnenstruktur eines solchen Trainings sollte so gestaltet sein, dass sie den Lernenden soviel Gestaltungsspielraum wie möglich und soviel Halt und Orientierung wie nötig bietet, und vor allem ein komplexes Angebot an Praxiserfahrungen bereitstellt. Es sollten in ihr folgende Prinzipien des Lernens zur Wirkung kommen:
Es mag bei der Lektüre meiner Ausführungen der Eindruck entstanden sein, dass ich eigentlich der Ausbildung als einer Art Langzeittherapie das Wort rede. Ich halte in der Tat innerhalb einer intensiven Ausbildung therapeutische Elemente für unvermeidlich und sogar für erwünscht, habe allerdings gegen deren Ausuferung strukturelle Begrenzungen eingebaut. Die Organisation meines Trainings als ein Modulsystem sorgt für wechselnde Zusammensetzungen der Ausbildungsseminare und bremst damit ausufernde gruppendynamische Prozesse ebenso wie Seminare, in die reguläre Klienten und Klientinnen einbezogen sind. Soweit es den Anteil der Arbeit betrifft, den wir der Therapie zuordnen
können, ist, wie wir wissen, die Ansicht phänomenologisch-systemische
Arbeit sei eine der ultimativen Kurzzeittherapien sehr begründet.
Ein Teil der Wirksamkeit als Kurzeittherapie verdankt sich nicht zuletzt
der Tatsache, dass der Prozess auf einem hohen ("Energie"-)Niveau
abgebrochen wird und Aufsteller sich zurückziehen, nachdem Lösung
aufblitzte. Der länger währende Umgang mit denselben Menschen
steht dieser Haltung zunächst im Wege. Allerdings beweist mir der regelmäßige Umgang mit den Trainees über einen längeren Zeitraum gerade, wie auch das periodische Wiederkehren von Klienten, und letztlich meine eigene Aufstellungsgeschichte, dass die Verstrickungen komplexer Natur sind und oft viele Schichten aufeinander liegen. Das hier Not-wendige ist, die Segmente, für die Lösungen gefunden wurden, unberührt in Wirkung zu lassen und die noch belasteten dennoch weiter zu bearbeiten. Das erfordert sensibles Vorgehen, und kann in einem solchen Training zugleich Gegenstand des Lernens werden, ein weiteres Element also auf dem Weg zur Kunst des Aufstellens. Vor diesem Hintergrund sollte klar werden, dass auch die Lehrer einen Platz haben müssen, an dem sie für sich als Angehörige ihres eigenen Systems weiterarbeiten können. Der alte Satz, dass wir die Klienten nur so weit zu begleiten vermögen, wie wir selber gekommen sind, gilt auch im systemischen Zusammenhang. Anmerkungen
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