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Trauer
und Versöhnung, Opfer und Täter Über Bert Hellingers Dienst an der Versöhnung Frieden, was heißt das? Gabriele Heise im Gespräch mit Bert Hellinger Zu den Anschlägen vom 11. September 2001 Warum ich? Zum Seilbahnunglück von Kaprun |
Frieden, was heißt das? - von Bert Hellinger Eröffnungsvortrag auf dem Kongress Die wichtigsten angesprochenen Themen
Frieden heißt:
Was bewirkt der Friede? Jene, die sich über die anderen erhoben haben und sie für minder oder feindlich erachteten, erkennen andere als gleichberechtigt an. Sie bestätigen sich gegenseitig das, was sie an Besonderem haben, nehmen voneinander und geben einander. Der Frieden zwischen ihnen erweitert ihre persönlichen Grenzen, erlaubt ihnen innerhalb dieser Grenzen die Vielfalt und das jeweils Eigene, und er erlaubt gemeinsames Handeln. Dieser Friede beginnt in der eigenen Seele.
Was wir zuvor in uns selbst verworfen, verdrängt und bedauert haben,
das darf nun gleichberechtigt seinen Platz einnehmen neben dem, was wir
schon vorher bejaht haben. Es wird in seiner Bedeutung, in seinen Folgen
und in dem, was es zu unserem Wachstum beigetragen hat, anerkannt und
sogar geliebt. Dieser Friede setzt sich fort in der Familie.
Viele Familien wollen unschuldig bleiben, sind zum Beispiel vor
allem auf ihr Ansehen bedacht, und verheimlichen, verdrängen und
beseitigen sogar, was ihr Ideal von Unschuld gefährdet. So werden
sie schuldig, um unschuldig zu bleiben. Sie stoßen einzelne Mitglieder
aus, schämen sich ihrer und verdrängen das Andenken an sie,
weil ihnen ihr schweres Schicksal Angst macht und die Erinnerung an sie
schmerzt. Damit verkümmert diese Familie und kapselt sich ab. Frieden in den Familien ist nicht das Einfache, nicht das Bequeme. Wer hier Frieden will und dem Frieden dient, stellt sich auch dem Schweren, dem Schmerzlichen, der Schuld. Er gibt allen Familienmitgliedern in seiner Seele einen Platz, auch wenn sie anders sind, als andere es wünschen oder wahrhaben wollen. Er stellt sich der Herausforderung und auch der Auseinandersetzung, die am Ende dazu führt, die anderen und das andere als gleichberechtigt anzuerkennen und zu lieben. Wie können wir Frieden darüber hinaus auch in anderen Bereichen stiften? Zuerst vielleicht nur im kleineren Kreis, zum Beispiel zwischen Nachbarn oder am Arbeitsplatz, und später auch dort, wo wir größere Verantwortung tragen, zum Beispiel in einer Organisation oder in der Politik. Frieden bringen können wir hier nur, wenn wir die Würde aller Beteiligten achten und das Besondere an ihnen; das, was sie sind und leisten und was sie zum Ganzen beigetragen haben. Dies verlangt auch, dass wir ihre Schuld achten und sie nicht aus der Verantwortung für die Folgen ihrer Schuld entlassen - denn auch das gehört zu ihrer Würde. Der Friede vermeidet die Konflikte nicht.
Denn im Konflikt zeigen die Beteiligten, was ihnen wichtig ist und wo
sie sich bedroht erfahren. Im Konflikt bringen sie ihr Eigenes so lange
zur Geltung, bis sie zugeben müssen, wo und inwieweit ihnen durch
die anderen Grenzen gesetzt sind. Erst dann sind Ausgleich und Austausch
zwischen ihnen möglich. Dies lässt jeden am Besonderen der anderen
wachsen und reicher werden. In diesem Sinne ist der Konflikt eine Voraussetzung
für den Frieden und bereitet in vor. Den Frieden bedrohen vor allem die Gruppen. Wenn wir dem anderen nicht mehr von Mensch zu Mensch begegnen, wenn wir uns vorwiegend als Teil unserer Gruppe und den anderen nur als Teil seiner Gruppe wahrnehmen, werden wir blind für die Einzelnen. Als Teil einer Gruppe werden wir leicht von uns selbst entfremdet - gleichsam besinnungslos, und lösen uns auf ins Kollektive. Die Frage ist nun: Wie kann man zwischen den Gruppen Frieden stiften? Denn gegen die kollektiven Kräfte sind die Einzelnen weitgehend machtlos, auch wenn sie selbst besonnen bleiben. Was bleibt ihnen dann als Möglichkeit? Sie müssen warten auf die rechte Zeit, bis sich das Zerstörerische erschöpft hat. Doch sie können dem Frieden bereits im engeren, kleineren Kreis die Wege bereiten. Das verlangt von ihnen in der Zwischenzeit, dass sie den Konflikt aushalten, ja ihm sogar als unausweichlich zustimmen. In einem neuen Buch ( Oft liegen diese Konflikte weit zurück, wirken aber in den Seelen
der Nachkommen noch nach. Mit Hilfe des Familien-Stellens gelingt es über
Stellvertreter, die ursprünglich Beteiligten einander gegenüberzustellen.
Dann schauen sie sich vielleicht zum ersten Mal in die Augen, sehen sich
als Menschen, die einander gleich sind, mit gleichem Recht und gleicher
Würde, begreifen, was sie anderen angetan und was diese durch sie
erlitten haben, beginnen gemeinsam um das Verlorene zu trauern, versöhnen
sich und finden Frieden. Beim Familien-Stellen beginnt das Werk der Versöhnung in der einzelnen Seele und in der Familie. Wenn dort die Versöhnung gelingt, breitet sie sich auch auf größere Gruppen aus. Daher bleiben wir beim Familien-Stellen bescheiden und sind uns unserer Grenzen bewusst. Der tiefe und bleibende Friede entzieht sich der Absicht. Wo er gelingt, erfahren wir ihn als geschenkt.
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